In der umfassenden Reportage „Das steckt in Ihren Schuhen“ berichtet die Schweizer Organisation Public Eye aus Italien und Albanien über die Menschen, die unsere Sneakers, Pumps und Lederschuhe herstellen und was in der Schuh- und Lederindustrie schief läuft: Hungerlöhne, Gesundheitsgefährdung und Ausbeutung. Sie stellt die Frage: Was müsste sich ändern auf dem langen Weg zu fairen Schuhen?

„Krankheit ist ein mittelfristiges Problem. Pleitesein ein unmittelbares.“

So zitiert Public Eye, Teil der Clean Clothes Campaign, den Gewerkschafter Papa Demba im italienischen Gerbereidistrikt Santa Croce. Er kam aus dem Senegal nach Italien auf der Suche nach Arbeit, wie viele seiner Landsleute. Sie stellen heute die größte Gemeinschaft, die in den Gerbereien der Region arbeiten. „Die allermeisten Senegalesen machen seit Jahren den gleichen Drecksjob und verdienen immer noch gleich viel wie am Anfang, obwohl das illegal ist“, sagt er. Er kennt dutzende Arbeiter, die Mühe mit dem Sehen oder dem Atmen haben oder ihren Rücken nicht mehr strecken können: „In diesem Job ruinierst du dich.“

„Ich mache einfach immer weiter.“

Über 700 Kilometer Luftlinie entfernt gibt Arjana nahe des albanischen Tirana Einblick in ihre tägliche Arbeit in einer Fabrik, die Schuhe „Made in Italy“ herstellt. Sie verleimt Teile dieser „italienischen“ Schuhe, die im Handel über 200 Euro kosten, und verdient dabei mit weniger als 150 Euro im Monat den sehr niedrigen albanischen Mindestlohn. Dabei schätzt die Clean Clothes Campaign, dass ein Lohn zum Leben in Albanien bei über 550 Euro liegt. Dieser Armutslohn zwingt Arjana, sehr lange zu arbeiten und in jeder Lebenslage aufs Äußerste zu sparen – doch am Ende des Monats bleibt nichts übrig: „Was soll ich denn sonst tun? Welche Option habe ich schon?“

Die aufwendig gestaltete Recherche „Das steckt in Ihren Schuhen“ führt uns hinter die Kulissen der europäischen Schuh- und Lederindustrie. Sie zeigt mit zusätzlichen Hintergrundinformationen und persönlichen Geschichten aus Italien und Albanien einmal mehr, dass Ausbeutung eines der Gesichter Europas ist – aber auch, was dagegen getan werden kann. 

Mehr Informationen? Die Studie „Im Stich gelassen“ von 2014 beleuchtet das Missverhältnis zwischen Mindest- und Existenzlohn in Osteuropa und der Türkei.