Was bereits im Sommer 2016 in Serbien selbst zu einem landesweiten Skandal führte, hat die CCC nun in einer Tiefenstudie öffentlich gemacht: 1.200 Beschäftigte einer GEOX-Fabrik in Serbien sind dramatischen Gesetzes- und Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt. Eine Arbeiterin hatte der Presse offenbart, dass das Management den Beschäftigten nahelegt, Windeln zu tragen, damit sie den Toilettengang sparen.

„GEOX atmet“ – der Werbeslogan der Schuhmarke – klingt nicht nur deshalb in ihren Ohren zynisch. Ihre Atemluft ist durch giftige Klebstoffdämpfe belastet. Sie können nicht frei die Toilette aufsuchen, sollen stattdessen Windeln benutzen. Sie verdienen durchschnittlich 200 EUR netto im Monat, während sie aber ca. 800 EUR zum Leben bräuchten. Die Beschäftigten werden eingeschüchtert, unter Druck gesetzt und ihr Recht auf Meinungsäußerung und gewerkschaftliche Interessenvertretung eingeschränkt. Nur wenige erhielten Arbeitsverträge und Sozialversicherungsbeiträge, Überstunden werden nicht gesetzeskonform entlohnt. 

Arbeiten für GEOX im 21. Jahrhundert – der Fall Serbien

English version: Working for GEOX in the 21° century – the case of Serbia

In der Studie „The Real Cost of Our Shoes: a journey into the supply chain of three global shoe brands“ analysiert die italienische Clean Clothes Campaign die menschenrechtlichen Praktiken in den Lieferketten der Schuhmarken GEOX, Prada und Tod’s. Deren Lieferanten und teils eigene Produktionsstätten liegen vor allem in Südosteuropa. Die Modemarken verlagern ihre Produktion teils zurück aus Asien nach Europa, weil es hier näher ist und sogar billiger als in Asien. Zudem gibt es selbst in westlichen Industrieländern wie Italien Billiglohnsektoren mit informeller und prekärer Beschäftigung. Weichenstellungen der Politik sorgen für moderate Lohnabschlüsse, Mindestlohnstagnation und Einschränkungen gewerkschaftlicher Freiheiten nicht nur in Italien und Serbien. 

„The Real Cost of Our Shoes“: Bericht und Factsheet

Eine Kurzdokumentation schildert das Arbeiten für GEOX im 21. Jahrhundert in Serbien.

Die serbische Aktivist*innen-Webseite Mašina berichtet ebenfalls über die Studie.