Zum Sommer-Schlussverkauf macht die Kampagne für Saubere Kleidung/ Clean Clothes Campaign (CCC) auf „mangelhafte” Bekleidung aufmerksam. KonsumentInnen können über die neue „Living Wage Defect”-Website ihre Bekleidung symbolisch wegen „mangelhafter” Löhne an Mode-Unternehmen zurückschicken und damit ein Zeichen für existenzsichernde Löhne in der Bekleidungsindustrie setzen.

Sowohl in asiatischen als auch in europäischen Fabriken, in denen Bekleidung für den Weltmarkt hergestellt wird, werden die ArbeiterInnen mit Hungerlöhnen abgespeist. Fabienne Winkler von der Kampagne für Saubere Kleidung/ Entwicklungspolitisches Netzwerk Sachsen (ENS) sagt: „In den Produktionsländern unserer Bekleidung sind die Mindestlöhne so niedrig angesetzt, dass die ArbeiterInnen in einem Leben in Armut gefangen bleiben und auch ihren Kindern keine bessere Zukunft bieten können. Die Bekleidungsunternehmen versprechen seit Jahren existenzsichernde Löhne in ihrer Zulieferkette sicherzustellen, aber wir haben noch keine Verbesserungen für die Arbeiterinnen und Arbeiter feststellen können.”

 Ein Existenzlohn ist ein Menschenrecht und sollte an NäherInnen für eine normale Arbeitswoche, also ohne Überstunden und Bonuszahlungen ausbezahlt werden. Ein existenzsichernder Lohn reicht aus, um die Grundbedürfnisse von einer Arbeiterin und ihrer Familie zu befriedigen. Neben einer angemessenen Ernährung zählen dazu Unterkunft, Transport, Kleidung, Bildung, medizinische Versorgung sowie ein geringes frei verfügbares Einkommen für unerwartete Notfälle. Die Realität sieht für den Großteil der Beschäftigten in der Bekleidungsindustrie anders aus. Eine Näherin in Bangladesch müsste derzeit 22 Stunden pro Tag, sieben Tage die Woche für einen Existenzlohn arbeiten.

Mangelhafte Löhne

In den meisten Produktionsländern verdienen die NäherInnen nur 20% bis 30% eines existenzsichernden Lohnes. „Wenn von unserer Kleidung 70% oder 80% fehlen würde oder mangelhaft wäre, würden wir sie zurückgeben. Deswegen laden wir Konsumentinnen und Konsumenten ein, ihre Kleidung symbolisch über die „Living Wage Defect”-Website als mangelhaft zu deklarieren und sie wegen dieses Defekts zurückzuschicken”, ergänzt Berndt Hinzmann von der Kampagne für Saubere Kleidung/ Inkota.

In den letzten zwei Jahren haben über 110.000 EuropäerInnen die Petition der Clean Clothes Kampagne für existenzsichernde Löhne unterschrieben. Diese wird im Oktober diesen Jahres  im Rahmen des „Living Wage Now Forum” in Brüssel an Unternehmen und politische EntscheidungsträgerInnen übergeben. Christine Höbermann von der Kampagne für Saubere Kleidung/ENS bekräftigt: „Wir werden im Namen aller UnterzeichnerInnen die Bekleidungsunternehmen daran erinnern, dass sie verantwortlich sind für die Bezahlung von existenzsichernden Löhnen an die Näherinnen ihrer Bekleidung.”

Living Wage Now Forum

Seit 2013 hat die internationale Clean Clothes Campaign das Thema existenzsichernde Löhne in Europa bekannt gemacht und ArbeiterInnen weltweit in ihrem Kampf um höhere Löhne unterstützt. Ein Höhepunkt dieser intensiven Thematisierung des Menschenrechts Existenzlohn wird das „Living Wage Now Forum“, 12. bis 14. Oktober 2015, in Brüssel. Die Clean Clothes Campaign lädt zum Austausch über eine zukünftige Bekleidungsindustrie, in der Menschen- und Arbeitsrechte respektiert und gefördert werden.

Mitmachen auf der Website: http://www.livingwagedefect.org