Laura Ceresna-Chaturvedi ist die Eilaktions-Koordinatorin der deutschen Kampagne für Saubere Kleidung. In einem Gastbeitrag erläutert sie den internationalen „Transparency Pledge“ und warum Transparenz für Arbeitsrechte und Existenzlöhne so wichtig ist.

Die globale Lieferkette von Kleidung ist undurchsichtig, oft genug bekommen Konsument*innen kaum Informationen über die Herkunft des Produkts. Auch wenn auf einem T-Shirt „Made in China“ steht, bleibt völlig offen, in welcher der vielen tausend Fabriken Chinas und unter welchen Bedingungen es tatsächlich hergestellt wurde. So gut wie nie ist bekannt, welche Löhne die Arbeiter*innen für ihre Arbeit erhalten.

 

Im letzten Jahr hat eine Koalition aus internationalen Menschenrechtsorganisationen, darunter die Clean Clothes Campaign, und Gewerkschaften mit dem Namen „Follow the Thread“ 72 Unternehmen aufgefordert, ein Transparenzversprechen abzugeben – den „Transparency Pledge“. Er wird als Mindeststandard für Transparenz in der Lieferkette verstanden und soll dazu dienen, Arbeitsrechte zu schützen und die Sorgfaltspflicht der Unternehmen für ihre Lieferkette zu verbessern. Bisher sind 23 Unternehmen dem Aufruf gefolgt und haben ihre Zulieferer veröffentlicht. Der Bericht „Follow the Thread“ (Zusammenfassung auf Deutsch) zeigt aber, dass die Mehrheit gar keine oder nur unzureichende Informationen zur Verfügung stellt.

Bloße Bekenntnisse, dass „faire Löhne“ für Arbeiter*innen garantiert werden, sind nur überprüfbar wenn Informationen über Zulieferfabriken und deren Sublieferanten offengelegt werden. Sie helfen NGOs und Gewerkschaften dabei, unhaltbare und rechtswidrige Zustände in den Fabriken früher als bisher aufzudecken. Ohne Transparenz wird es also kaum gelingen, wenigstens die grundlegenden Arbeitsrechte und existenzsichernde Einkommen in den Bekleidungsfabriken dieser Welt durchzusetzen.

In Deutschland betrifft der Transparency Pledge die Unternehmen Aldi, Lidl, KiK, Esprit, Tchibo, Hugo Boss, Adidas und Puma. Außer KiK sind alle Konzerne darauf eingegangen – sie haben sich zu mehr Transparenz verpflichtet. Esprit und Adidas wollen die einzelnen Punkte sogar bis Ende 2017 umsetzen. Tchibo sowie die Discounter Aldi und Lidl – allesamt unter den zehn größten Textileinzelhändlern Deutschlands – wollen zumindest den ersten Punkt der Forderung umsetzen und Namen und Adressen ihrer weltweiten Zulieferfabriken veröffentlichen. Im April 2017, zum vierten Jahrestag der Rana Plaza-Katastrophe, startete die Menschenrechtskoalition die Online-Kampagne #GoTransparent mit einer dazugehörigen Petition, die die Forderungen des Transparency Pledge in die breite Öffentlichkeit trug. Kurz darauf legte auch Hugo Boss nach und veröffentlichte 93% seiner Zulieferer. Esprit sagte gar „die Veröffentlichung solcher Informationen [sei] für manche Unternehmen durchaus unbequem, aber es ist an der Zeit transparenter zu werden.“

Ein Beispiel? Beim Einsturz des Rana Plaza-Gebäudes in Bangladesch kamen über 1.100 Menschen ums Leben und mehr als 2.000 wurden verletzt. Zum Zeitpunkt der Katastrophe waren kaum Informationen verfügbar, wer bei den vielen Zulieferern im Gebäude produzieren lies. Und so mussten die Helfer*innen wochenlang in den Trümmern nach Firmenetiketten und Unterlagen suchen, um eine Beweisführung für die Entschädigung der vielen hinterbliebenen Familien und teils lebenslang geschädigten Opfer zu ermöglichen. Angesichts der komfortablen Umsätze und Gewinne der Auftraggeber*innen war das ein erniedrigender Kampf.

Dabei berufen sich Konzerne noch immer auf Wettbewerbsnachteile, die echte Lieferketten-Transparenz nach sich ziehen würde. Doch dieses Argument ist nicht mehr nachvollziehbar. Viele ihrer Konkurrenten sind bereits vorangegangen und zeigen, dass die Vorteile einer Offenlegung einem möglichen Wettbewerbsrisiko überwiegen. Diejenigen, die die Produkte herstellen, sind darauf angewiesen, denn es geht hier um seit Jahrzehnten geltende, grundlegende Arbeits- und Menschenrechte.

Und wie sieht es mit einem Lohn zum Leben aus? Am Beispiel H&M zeigt sich die Notwendigkeit von Transparenz. Der Konzern will für die Arbeiter*innen seiner Kernzulieferer ab 2018 einen „fair living wage“ durchsetzen. Das wäre ein wichtiger symbolischer Schritt in der Branche. Durch jahrelangen Druck von Zivilgesellschaft und Gewerkschaften ist der Modegigant mittlerweile recht engagiert in Sachen Arbeitsrechten. Wir wissen aber auch, dass er weiterhin regelmäßig in Arbeitsrechtsverletzungen verwickelt ist. Jährlich „Conscious Collections“ herauszubringen, reicht nicht aus. Es ist unsere Aufgabe als kritische Zivilgesellschaft das H&M-Management an seine Versprechen zu erinnern und sie einzufordern – und es muss Arbeiter*innen und ihren Vertreter*innen möglich sein, deren Einhaltung vor Ort zu überprüfen.

Helft uns dabei und unterschreibt die #GoTransparent-Petition.

Die Clean Clothes Campaign bietet eine Übersicht der bisherigen Zusagen aller Unternehmen auf ihrer Webseite.