Am Mittwochabend forderte der Dresdner Goldene Reiter alle Modeunternehmen auf: „Seid Vorreiter, zahlt Existenzlöhne!“

Dem Reiter, August dem Starken ist klar geworden, dass die Modebranche durch schlechte Arbeitsbedingungen und geringe Löhne Armut schafft statt sie zu verringern. Es ist an der Zeit, dass Näher_innen einen Lohn verdienen, der zum Leben ausreicht: einen Existenzlohn.

Am Mittwochabend wanderten, zwischen Feierabendeinkäufern und Spaziergängern, leuchtende Zelte auf Dresdens Hauptstraße in Richtung des Goldenen Reiters. Jedes Zelt bewegte sich auf einer eigenen Route, machte dann und wann Halt, und ging nach einer Pause weiter seines Wegs. Die Zelte waren Symbole für Näher_innen aus den Balkanländern, die im Fokus der Aktion standen. Wenig später reihten sich die wandernden Zelte vor dem Goldenen Reiter auf und forderten gemeinsam mit ihm Existenzlöhne für alle Näher_innen.

HINTERGRUND:

WAS SIND EXISTENZLÖHNE?

Ein existenzsichernder Lohn ist ein Arbeitseinkommen, das es einer Arbeiter_in ermöglicht, sich selbst und ihre Familie zu ernähren, d. h. die Grundbedürfnisse zu decken und für Notfälle Geld zurücklegen zu können. Er muss ohne Überstunden und Boni zu verdienen sein.

DEUTSCHE MODEBRANCHE SCHAFFT ARMUT UND UNSICHERHEIT

Die jüngste Studie („Im Stich gelassen“, 2014) der Clean Clothes Campaign ergab, dass durch die Modeindustrie ganze Regionen verarmen. Das Geschäftsmodell der Modeindustrie ist auf kurzfristige Überausbeutung weiblicher Arbeitskraft ausgelegt – AUCH UND INSBESONDERE AUF DEM BALKAN.

Der durchschnittliche Verdienst einer mazedonischen Näherin liegt weit unter der Armutsgrenze und entspricht gerade mal einem Siebtel eines existenzsichernden Lohns. Mit rund 120 EUR im Monat verdient sie so viel wie eine Näherin in Kambodscha und erheblich weniger als ihre chinesische Kollegin. Und: Vom Einkommen der Näherinnen müssen in den Balkanländern Großfamilien ernährt werden, die Frau ist in der Regel die alleinige Familienernährerin.

Die hauptsächlich deutschen Auftraggeber nehmen Manipulationen von Inspektionen und Verstöße gegen die Gesetze ähnlich wie in Bangladesch oder Indien billigend in Kauf.

KONTAKT:

Fabienne Winkler, Entwicklungspolitisches Netzerk Sachsen,

fabienne.winkler@einewelt-sachsen.de