Der  Zusammensturz des Rana Plaza Gebäudes in Bangladesch, bei dem 2013 über 1100 Menschen ums Leben kamen, hat vielen Menschen die Augen für die menschenunwürdigen Zustände in der weltweiten Bekleidungsindustrie geöffnet. Auch der deutsche Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sah endlich Handlungsbedarf. Über 60 Organisationen haben bei einem Aktionsplan für „signifikante Verbesserungen der sozialen und ökologischen Produktionsbedingungen“ im Textilbereich mitgearbeitet. Existenzlöhne sind ein wichtiger Bestandteil des Programmes.

Schneller als manche Beteiligte erwartet haben, hat sich in Deutschland das „Bündnis für Nachhaltige Textilien“ gegründet.  Der Aktionsplan setzt Standards entlang der gesamten Lieferkette, zu denen sich die Mitglieder freiwillig verpflichten. 30 Organisationen und Unternehmen sind Gründungsmitglieder, so auch die Kampagne für Saubere Kleidung.

Detaillierte Informationen zu Aktionsplan und Mitgliedern beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)

 Schon im Vorfeld hatten einige Unternehmensverbände dem Bündnis „unerfüllbare Forderungen“ vorgeworfen. Das ist erstaunlich, denn in vielen Punkten gehen die gesetzten Maßstäbe nicht über das hinaus, was viele Unternehmen sowieso schon von sich in ihrer Außendarstellung  behaupten.

Lesen Sie dazu die Stellungnahme der Kampagne für Saubere Kleidung

Auch unsere Schweizer KollegInnen haben in einer Erklärung an die Medien Position bezogen:

„MEDIENKOMMENTAR der Erklärung von Bern (EvB)

 Zürich, 16. Oktober 2014

Neues „Textilbündnis“: Deutschland zieht Lehren aus Rana Plaza-Katastrophe

Der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Gerd Müller (CSU), hat heute sein „Textilbündnis“ für mehr Fairness im Mode-Business vorgestellt. Damit legt die Berliner Regierung ein bemerkenswertes Bekenntnis für soziale Standards in der globalen Kleiderproduktion ab. Hierzulande liegt eine solche Initiative in weiter Ferne – mangels politischer Courage und einem Schweizer Entwicklungsministerium.

Klar, der heute in Berlin präsentierte Aktionsplan des neuen Textilbündnisses ist keineswegs perfekt. Dennoch die setzt deutsche Regierung darin für Arbeitsbedingungen in globalen Lieferketten erstmals Benchmarks und formuliert klare Erwartungen an deutsche Modefirmen. Dazu gehören die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen, die Bezahlung von Existenzlöhnen, die Arbeitszeitbegrenzung auf max. 48 Wochenstunden sowie Sicherheitsvorschriften am Arbeitsplatz.

Die meisten der adressierten Unternehmen boykottieren das Bündnis. Und zwar mit dem entlarvenden Hinweis, dass diese sozialen Anforderungen nicht erfüllbar seien. Diese Begründung kommt dem Eingeständnis gleich, dass Markenfirmen heute unter menschenunwürdigen Bedingungen produzieren lassen, obwohl sie in aufwändigen Imagekampagnen immer öfter und aggressiver das genaue Gegenteil behaupten.

Um die Unternehmen in ihre menschenrechtliche Pflicht zu nehmen, wären auch im Textilsektor verbindliche Vorgaben nötig. Dieser erste Schritt gegen die Missstände in der Textilindustrie ist dennoch eine gute Nachricht. In der Schweiz liegen vergleichbare politische Initiativen in weiter Ferne. Parlament und Regierung setzen nach wie vor auf Selbstregulierung, obwohl spätestens seit dem Einsturz der Rana Plaza-Kleiderfabriken in Bangladesch klar ist, dass dies nicht ausreicht. Auch einer Genfer ILO-Konferenz im September 2014 zur globalen Textilindustrie hat die deutsche Regierung für die Stärkung der Sozialstandards geworben. Die Schweiz indes schickte nicht einmal eine Vertretung an die Tagung.“